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Thermografie – Mehr als bunte Bilder

25 Prozent des gesamten Energieverbrauches in Deutschland entfallen auf die privaten Haushalte. Dort werden 75 Prozent der Energie für den Wärmebedarf und damit für die Raumheizung aufgewendet. Ein Teil dieser Energie geht durch schlecht gedämmte Außenwände oder Dächer verloren. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Wie gut oder schlecht ein Haus isoliert ist, lässt sich durch eine Thermografie-Aufnahme feststellen. Mit einer Infrarotkamera wird die von einem Sensor aufgenommene Wärmestrahlung gemessen und in einem Wärmebild sichtbar gemacht.

Technik

Jeder Körper mit einer Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunktes von
–273,15 °C sendet Wärmestrahlung aus. Ab einer Temperatur von mehreren 100 °C beginnt der Körper zu glühen, und die Wärmestrahlung wird für den Menschen sichtbar. Die Temperaturbereiche zwischen diesen beiden Punkten sind für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar.

Infrarotkameras können einen Teil dieser Wärmestrahlung sichtbar machen. Und zwar genau den Teil, der der normalen Umgebungstemperatur entspricht. Die abgegebene Wärmestrahlung wird in einem Thermogramm durch Farben dargestellt. Die Skala geht von schwarz (kalt) über blau, rot und gelb zu weiß (heiß). Dabei ist die Zuordnung der Farben zu einer Temperatur fest definiert. Sie wird den minimal und maximal gemessenen Temperaturen angepasst. Das bedeutet: Die Farbe Rot z. B. muss in verschiedenen Bildern nicht zwingend die gleiche Temperatur wiedergeben. Erst die im Thermogramm angezeigte Temperaturskala macht die Bilder vergleichbar.

Anwendungsbereiche

Thermografische Untersuchungen von Gebäuden werden überall dort eingesetzt, wo Schwachstellen an der Gebäudehülle, Schäden bei der Wasserversorgung oder in der Heizungsanlage aufgedeckt werden sollen. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Untersuchung von Altbauten handeln. Auch bei der Bauüberwachung und Endkontrolle eines Neubaus liefert die Thermografie wichtige Hinweise.

Innen- oder Außenthermografie?

Thermografieaufnahmen können sowohl von innen als auch von außen durchgeführt werden. Welche Maßnahme für ein Gebäude die richtige ist, hängt entscheidend von der Bauweise des Hauses ab. Grundsätzlich gilt: Bei hinterlüfteten Bauteilen, z. B. bei allen Klinkerfassaden, ist eine Außenthermografie unergiebig. Hier können aussagekräftige Aufnahmen nur durch eine Messung im Innenraum erzielt werden.

Grundsätzlich werden meist Außenaufnahmen bevorzugt, weil so ein besserer Überblick über den Gesamtzustand des Gebäudes möglich ist.

Außenthermografie

  • Um eine sachgemäße Außenthermografie durchführen zu können, muss es trocken und kalt sein. Daher werden solche Aufnahmen in den Wintermonaten bei Temperaturen unter 8 °C und vor Sonnenaufgang durchgeführt.
  • Die besten Untersuchungsergebnisse werden erzielt, wenn alle Räume 12 Stunden vorher auf 20 °C aufgeheizt worden sind.
  • Zudem müssen die zu untersuchenden Bereiche frei einsehbar sein

Innenthermografie

  • Innenthermografieaufnahmen sind ganztägig möglich. Allerdings darf auch hier die Außentemperatur nicht mehr als 8 °C betragen.
  • Auch hier erzielt man die besten Ergebnisse, wenn alle zu untersuchenden Räume 12 Stunden vorher auf 20 °C aufgeheizt worden sind.
  • Möbelstücke und Gardinen sollten bereits 12 Stunden vorher von der Wand abgerückt sein oder abgehängt werden.

Auf der Basis der entstandenen Aufnahmen kann ein geschulter Ingenieur oder Energieberater gezielt ein Konzept zur energetischen Sanierung des Gebäudes erarbeiten. Allerdings sind anhand der Aufnahmen keine Aussagen möglich, wie viel Energie das Gebäude genau verliert.

Beispiele und Sanierungsvorschläge

Als Beispiel dient die thermografische Untersuchung eines Wohnhauses. Die Aufnahmen wurden von außen bei einer Temperatur von 3 °C im Dunkeln gemacht.

Untersuchter Bereich: Giebelseite

 

Punkt 1:
Die Wand zeigt im – vermutlich – nicht beheizten Bereich des Spitzbodens eine dunklere Färbung als in den unteren Geschossen. Wenn dies so deutlich zu Tage tritt, ist dies ein Zeichen für eine gering gedämmte Außenwand. Abhilfe kann hier eine Außenwanddämmung schaffen.

Untersuchter Bereich: Linke Traufseite

Punkt 2:
Im Dachbereich des untersuchten Gebäudes sind an einigen Stellen Bereiche mit einer abweichenden, helleren Farbgebung sichtbar. Grund hierfür könnte eine lückenhafte Dämmung oder eine Luftundichtheit sein. Dies sollte genauer untersucht werden. Liegt eine Luftundichtheit vor, so könnten durch eindringende Feuchtigkeit Probleme verursacht werden.

Punkt 3:
Am Übergang vom Erdreich zur Außenwand sind höhere Temperaturen als in der übrigen Wandfläche festzustellen. Die Gründe hierfür können verschiedenartiger Natur sein. Zum einen kann sich im Erdreich Wärme aufgestaut haben, die nun nach oben an die Wand abgegeben wird. Zum anderen kann dies auch auf eine nicht genügend gedämmte Bodenplatte/Kellerdecke aus Beton hindeuten, die als Wärmebrücke die Wärme von innen nach außen transportiert.

Untersuchter Bereich: Gartentür

Punkt 4:
Im Bereich des Türrahmens werden erhöhte Energieverluste durch eine hellere Farbgebung sichtbar. Das lokale Auftreten dieser Erscheinung deutet darauf hin, dass hier vermutlich warme Raumluft nach außen strömt. Es sollte genauer untersucht werden, ob die Undichtheit zwischen Rahmen und Tür oder zwischen Rahmen und Wand vorliegt, um geeignete Gegenmaßnahmen treffen zu können.

Untersuchter Bereich: Rückseite des Gebäudes

Punkt 5:
Auch hier sind wieder, die schon in Punkt 2 angesprochenen, hellere Stellen im Dachbereich sichtbar.

Punkt 6:
Auf dem Thermogramm sind die Flächen, die an die Innenkante des Gebäudes stoßen, heller erkennbar als die übrige Außenwandfläche. Dies liegt daran, dass an dieser Stelle die Wandfläche im Haus verhältnismäßig größer ist als die Außenfläche. Somit wird lokal mehr Wärme an die Außenhülle abgegeben als an Stellen ohne Innenkante. Wände mit mangelhafter Dämmung zeigen hier besonders hohe Wärmeverluste und sind daher deutlich zu erkennen. Der Effekt lässt sich durch eine Dämmung der Außenwand in Abhängigkeit von der aktuellen Dämmdicke ganz oder teilweise vermeiden.

Vorteile

Eine thermografische Untersuchung zeigt energetische Schwachstellen und Baumängel an der Gebäudehülle auf. Hausbesitzer erhalten so wichtige Informationen über den Zustand ihres Hauses und durch die Auswertung der Aufnahmen durch einen Fachmann auch ein Sanierungskonzept.

Förderung

Eine feststehende bundesweite Förderung für Thermografieaufnahmen gibt es nicht. Allerdings bieten viele Länder, Gemeinden und Kommunen finanzielle Unterstützung bei der thermografischen Untersuchung eines Gebäudes.



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